Privat versus Staatlich
Der Privatschulsektor hat eine lange Tradition in Deutschland. Er ist schon vor der Zeit entstanden, als der Staat anfing ein staatliches Schulsystem aufzubauen. Es gibt kein staatliches Monopol in Bildungs- und Erziehungsfragen sondern lediglich und das ist von besonderer Bedeutung, die Verpflichtung des Staates jedermann die Möglichkeit zu bieten kostenfreien Zugang zum Schulsystem zu erlangen. Im deutschen Grundgesetzes sind neben staatlichen Schulen entsprechende Schulen in freier Trägerschaft vom Staat nicht nur zu dulden, sondern zu gewährleisten.
Artikel 7, Absatz 4 des Grundgesetzes sagt: „Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet. Private Schulen als Ersatz für öffentliche Schulen bedürfen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen. Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn die privaten Schulen in ihren Lehrzielen und Einrichtungen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen und eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn die wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Lehrkräfte nicht genügend gesichert ist.“
Sonderungsverbot
Traditionell waren Privatschulen etwas für Kinder aus "guten Häusern" d.h. Familien, die ihre Kinder auf eine elitäre und nur für "Ihres Gleichen" zugängliche Schule schicken wollten. Auswahlkriterium war einzig und allein die Finanzierung dieser Einrichtungen, die sich Familien aus unteren Schichten nicht leisten konnten. Heute existiert das sogenannte Sonderungsverbot, welches Schulen in freier Trägerschaft vorschreibt allgemein und für jedermann zugänglich zu sein. Das deutsche Grundgesetz legt in Artikel 7, Absatz 4 fest, daß Privatschulen keine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern vornehmen dürfen.“
Finanzierung der Privatschulen
Privatschulen finanzieren sich aus zwei Hauptquellen. Erstens erhalten sie einen staatlichen Finanzausgleich sowie zweitens ein Schulgeld der Eltern bzw. Schüler. In manchen Bundesländern dürfen Privatschulen kein Schulgeld erheben. Hier zahlen die Eltern normalerweise einen freiwilligen Beitrag an einen Förderverein. Der Finanzausgleich für die Ersatzschulen bemisst sich an der Höhe der Kosten, die ein Schüler an einer staatlichen Schule verursacht. Je nach Bundesland erhalten Ersatzschulen einen unterschiedlich hohen Teil dieses Betrags, im Schnitt etwa zwei Drittel. Ihre restlichen Kosten müssen die Schulen über das Schulgeld decken. Dort wo der Finanzausgleich des Bundes zu niedrig ausfällt, dort dort übersteigt das Schulgeld häufig das geforderte sozial verträgliche Niveau. Die Schulen in freier Trägerschaft versuchen dann mit Stipendien, Geschwisterermäßigungen oder einem nach dem Einkommen der Eltern gestaffelten Schulgeld, soziale Härten zu vermeiden und möglichst allen Interessenten den Schulbesuch zu ermöglichen. Einige der Privaten nützen sicher das Schulgeld als willkommene Möglichkeit ungesehen das Sonderungsverbot zu umgehen und mittels der Schulgeldhöhe eine Selektion der Schüler und damit die ausschließliche Aufnahme von Schüler aus sogennaten bildungsnahen Haushalten. Schulgelder schwanken von 150 Euro monatlich bis hin zu 2.500 Euro bei der Eliteschule Schloss Salem.
Vorteile der Privatschulen
Auf Privatschulen hat seit einigen Jahren ein riesiger Run eingestezt. Der Erfolg scheint den Konzepten Recht zu geben. Im statistischen Durchschnitt öffnen jeden Monat ein bis zwei neue Privatschulen. Irritiert und aufgescheucht durch viele Berichte der Medien über die chaotischen Zustände an öffentlichen Einrichtungen und der Lähmung des Unterrichts durch Lehrermangel und Ausrichtung des Unterrichtes auf die Lernschwächsten der Klasse reagieren viele Eltern. Die Eltern trauen dem staatlichen System nicht zu, dass es die Kinder richtig auf die Herausforderungen einer globalisierten Welt vorbereitet.
Viele der Privatschulen bieten besondere pädagogische Konzepte, die sich häufig mehr den unterschiedlichen Neigungen, Begabungen und Interessen der Schüler entgegen kommen. Privatschulen mit konfessioneller Ausrichtung setzen den Fokus auf die Vermittlung von christlichen Wertvorstellungen. Alternative Formen der Erziehung verfolgen Privatschulen mit Montessori- oder Waldorfpädagogik. Zunehmend bieten Privatschulen auch die Förderung sprachlicher, handwerklicher, sportlicher, musischer oder künstlerischer Kompetenzen an oder entwickeln spezielle Lernprogramme für lernschwächere oder hochbegabte Kinder. So gesehen ergänzen die Privatschulen das Bildungsangebot des Staates. Privatschulen arbeiten eigenständig und effizient, sie können sich schnell an neue Entwicklungen anpassen. Viele allgemein bildenden Privatschulen haben bestimmte Schwerpunkte, etwa im musischen oder fremdsprachlichen Bereich. Die privaten Schulen müssen mit Ihren pädagogischen Konzepten den sogenannten Gleichwertigkeistgrundsatz erfüllen, d.h. mindestens die gleichen Anforderungen wie staatliche Schulen erfüllen.
Häufig betrachten die Privatschulen dies als Mindestanforderung und bieten darüber hinaus noch weitere Angebote wie z.B. Englisch als weitere Unterrichtssprache. Privatschulen sind Wirtschaftsbetriebe, die auf die Zufriedenheit ihrer Kunden — Schüler und Eltern — angewiesen sind. Privatschulen stellen ihr Lehrpersonal selbst ein und können sich so diejenigen LehrerInnen aussuchen, die zu ihrem Schulkonzept am besten passen. Die besondere Herausforderung besteht hier sicher darin, die zum Schulkonzept geeigneten Lehrer zu finden, denn hier stehen die Privaten im Wettbewerb zu Staatlichen, die Ihrem Lehrpersonal Beamtenverhältnisse anbieten können.
Genauer hinsehen sollte man gerade in diesen Boomzeiten, wer denn Betreiber der einzelnen Privatschulen ist und wie gut und tragbar das so hochgelobte pädagogische Konzept schlussendlich ist. Denn nicht alles was neu ist, ist auch gut. So sollte man auch die Gründer ganzer Privatschulketten genauer unter die Lupe nehmen und deren Ansinnen hinterfragen. Das gern zitierte Argument, daß unsere europäischen Nachbarländer viel weiter in der Entwicklung sind als wir in Deutschland verliert dann an Bedeutung, wenn man die vollkommen unterschiedlichen Bildungs- und Schulhistorien und -traditionen der einzelnen Länder vergleichen würde. Der Boom der Privaten getragen durch Schreckensmeldungen über die staatlichen Schulen vermittelt ein falsches Bild. Unser deutsches Bildungssystem ist nicht so schlecht wie es derzeit dargestellt wird. Die Privatschulen stellen eine gute und gesunde Konkurrenz und Ergänzung zu den staatlichen Schulen dar.
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